Sexuelle Nötigung und Vergewaltigung

Mit dem Vorwurf einer sexuellen Nötigung oder gar einer Vergewaltigung kann man begründet oder unbegründet konfrontiert werden. Die Härte einer solchen Beschuldigung erfordert einen Rechtsanwalt für Strafrecht mit möglichst einschlägiger Erfahrung im Sexualstrafrecht, auf Seiten des Beschuldigten einen erfahrenen Strafverteidiger mit Einfühlungsvermögen und Fingerspitzengefühl. Sie ergibt sich im Grunde nur zum Teil aus § 177 StGB, der bei sexueller Nötigung verschiedene Härtegrade und entsprechende Mindeststrafen unterscheidet. Ein guter Strafverteidiger bemüht sich darüber hinaus, einen mit sexueller Nötigung und Vergewaltigung verbundenen persönlichen, oft existenzbedrohenden Schaden in der Öffentlichkeit so weit als möglich einzudämmen.

§ 177 StGB Sexuelle Nötigung, Vergewaltigung

Die Straftatbestände der sexuellen Nötigung und Vergewaltigung nach § 177 StGB zählen zu den Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung des Opfers. Sie umfassen das damit verbundene Zwangsausübungsverbot.

Aufgrund des hohen Stellenwertes der sexuellen Selbstbestimmung hat der Gesetzgeber eine hohe Strafandrohung von einem bis zu fünfzehn Jahren Freiheitsstrafe festgeschrieben. Die Strafbarkeit nach § 177 StGB kommt nur in Frage, wenn die Beteiligten erwachsen sind.

Was ist eine sexuelle Nötigung?

Der Tatbestand der sexuellen Nötigung nach § 177 I StGB sanktioniert jede Zwangsanwendung, die von einem Anderen die Duldung oder Tätigung einer sexuellen Handlung erreichen soll.

Eine sexuelle Handlung ist im Bereich des Sexualstrafrechts im Gegensatz zum allgemeinen Sprachgebrauch jede körperliche Berührung.

Werden die Voraussetzungen der sexuellen Nötigung erfüllt, droht eine Mindeststrafe von einem Jahr. Als Zwangsmittel kommt jede Anwendung von Gewalt, Drohung oder Ausnutzung einer besonderen Lage in Frage. Wird das Opfer durch körperliche Einwirkung (Festhalten, Schläge) in eine tatsächliche Zwangslage gebracht, spricht man von Gewalt im Sinne des Sexualstrafrechts. Bereits das „in Aussicht stellen“ eines solchen körperlichen Übels für das Opfer oder einen Nahestehenden reicht als Zwangsmittel aus.

Wendet der Täter weder Gewalt noch Drohung an, um das Opfer zu einer sexuellen Handlung zu nötigen, kommt der Auffangtatbestand des Ausnutzens einer schutzlosen Lage in Betracht. Dabei werden Umstände ausgenutzt, welche die Schutz- und Verteidigungsmöglichkeiten des Opfers stark beeinträchtigen. Der Täter hat hierbei ungehemmte Einflussmöglichkeiten, ohne dass das Opfer sich aus eigener Kraft entziehen könnte. Als Zwangsmittel kommen somit alle Handlungen in Betracht, die entweder die Entscheidungsfreiheit des Opfers einschränken, oder diese insgesamt unterbinden.

Was bedeutet Vergewaltigung im strafrechtlichen Sinne?

Soll der Beischlaf oder ähnliche sexuelle Handlungen durch die sexuelle Nötigung erzwungen werden, spricht man von einer Vergewaltigung.

Der Tatbestand der Vergewaltigung nach § 177 II StGB ist eine schwerere Form der sexuellen Nötigung. Ähnliche sexuelle Handlungen sind insbesondere dann anzunehmen, wenn das vaginale, anale und orale Eindringen in den Körper des Opfers mit Körperteilen oder Gegenständen involviert ist.

Das höhere Mindeststrafmaß für eine Vergewaltigung in Höhe von zwei Jahren (gegenüber einem Jahr bei einem weniger schweren Fall der sexuellen Nötigung) wird mit der besonderen Erniedrigung des Opfers begründet. Deshalb handelt es sich bei der Einführung eines Fingers in den Mund des Opfers oder einem Zungenkuss, trotz des Eindringens in den Körper, nicht um eine Vergewaltigung.

Wie wird eine Vergewaltigung nach § 177 II StGB bestraft?

Das Gesetz sieht in § 177 II StGB für eine Vergewaltigung eine Mindeststrafe von zwei Jahren vor. Bei einer Verurteilung zu einer Strafe von mehr als zwei Jahren entfällt die Möglichkeit einer Aussetzung der Strafe zur Bewährung grundsätzlich.

Welche unerwarteten Gefahren birgt der Tatvorwurf der „Vergewaltigung“ in sich?

Die Strafverfolgungsbehörden neigen auch bei dem Vorwurf der „Vergewaltigung“ dazu, der Aussage des vermeintlichen Opfers in Ihrem Urteil zu folgen. Nicht selten ist die Aussage des Opfers das einzige Beweismittel. Dessen Glaubwürdigkeit zu überprüfen, bleibt oft Aufgabe des Strafverteidigers. Selbst ohne eine Verurteilung durch das Gericht, kann bereits der Tatvorwurf der „Vergewaltigung“ – unabhängig von Zutreffen der Vorwürfe – den gesellschaftlichen Ruin bedeuten oder eine psychische Beeinträchtigung zur Folge haben. Nicht zuletzt wegen der Beweisschwierigkeiten ergibt sich ein starkes Missbrauchspotenzial dieses Straftatbestandes. Zwar wird die Falschbeschuldigung durch das Gesetz unter Strafe gestellt, allerdings kommt es trotzdem nicht selten zu einem Missbrauch. Die schnelle und umsichtige Hilfe eines Rechtsanwaltes im Strafrecht bzw. eines Strafverteidigers ist deshalb entscheidend.

Welche anderen, besonders schweren Fälle der sexuellen Nötigung kennt das Strafgesetzbuch und wie werden diese bestraft?

Wird eine sexuelle Nötigung gemeinschaftlich begangen, so wird das Mindeststrafmaß nach § 177 II StGB auf zwei Jahre Freiheitsentzug angehoben.

Eine gemeinschaftliche Tatbegehung wird bei mindestens zwei Personen angenommen. Nicht entscheidend ist, ob beide Personen sexuelle Handlungen vornehmen oder an sich vornehmen lassen. Ausreichend ist vielmehr, wenn eine Person das Opfer festhält, während die andere die sexuelle Handlung gegen den Willen des Opfers vornimmt.

Weiterhin wird nach § 177 III StGB die sogenannten „schwere Vergewaltigung“ mit einer Freiheitsentziehung von mindestens drei Jahren bestraft.

Das Gesetz nennt verschiedene Fallkonstellationen, in welchen von einer schweren Vergewaltigung auszugehen ist:

Der erste Fall einer schweren Vergewaltigung ist gegeben, wenn bei der Tatbegehung eine Waffe oder ein anderes gefährliches Werkzeug mitgeführt wird. Die Waffe muss nicht zur Drohung genutzt werden. Es reicht aus, dass diese in einem Abstand verwahrt wird, von welchem man auf sie zurückgreifen könnte. Als Waffen zählen nicht nur Schusswaffen, sondern auch Schreckschusspistolen, Schlagringe, Pfefferspray und Elektroschocker. Gefährliche Werkzeuge können Teppichmesser, Baseballschläger aber auch Hunde sein. Auch das Mitführen sonstiger Werkzeuge, wie Fesseln oder Klebeband erfüllen den Tatbestand der schweren Vergewaltigung.

Ein weiterer Fall der schweren Vergewaltigung liegt vor, wenn der Täter das Opfer durch die Tat in die Gefahr einer schweren Gesundheitsschädigung bringt. Hierzu muss eine konkrete Gefahr bestanden haben, dass das Opfer eine ernste und langwierige Krankheit erleidet oder seine Arbeitskraft erheblich beeinträchtigt wird.

Neben der schweren Vergewaltigung sieht § 177 IV StGB auch den Fall der „besonders schweren Vergewaltigung“ vor. Diese hat das hohe Mindeststrafmaß von fünf Jahren. Dies kommt in Frage, wenn das Opfer durch die Tat schwer verletzt wird oder in Todesgefahr gebracht wird.

Wie kann Ihnen ein Strafverteidiger wie Rechtsanwalt und Fachanwalt für Strafrecht Dr. Böttner bei Nötigungsvorwürfen helfen?

In der Strafverteidigung bedarf es eines besonderen Fingerspitzengefühls, welches lange vor der Eröffnung einer Gerichtsverhandlung ansetzen muss. Da im Sexualstrafrecht allzu oft Aussage gegen Aussage steht, gilt es, die Gegenaussage im Detail zu hinterfragen und deren Wahrheitsgehalt zu prüfen. Auch die Überprüfung der Glaubwürdigkeit des vermeintlichen Opfers durch einen Gutachter kann bei der Aufklärung der Tatvorwürfe helfen.

Als erfahrender Strafverteidiger und Fachanwalt für Strafrecht weiß Rechtsanwalt und Strafverteidiger Dr. Böttner um die hohe Sensibilität und die Herausforderungen des Sexualstrafrechts. Egal, ob es darum geht, Ihre Rechte und Ihre soziale Integrität als Beschuldigter zu verteidigen oder ob Ihr Anliegen das Vorantreiben eines Strafverfahrens in der Nebenklage ist. Die Anwaltskanzlei Dr. Böttner stellt für Sie Detailkenntnis im Sexualstrafrecht, rücksichtsvollen Umgang mit den Delikten der sexuellen Nötigung und Vergewaltigung und energische Prozessführung bereit.