EncroChat – weltweite Durchsuchungen und Festnahmen nach Infiltration – Auch in Deutschland drohen zahlreiche Strafverfahren

Erneut gelang es den Ermittlungsbehörden einen als sicher geglaubten Kommunikationsweg zu infiltrieren. Nachdem es bereits den niederländischen Strafverfolgungsbehörden im Jahr 2018 gelungen ist, die Nachrichten des Programms „IronChat“ mitzulesen, gelang nun den europäischen Strafverfolgungsbehörden ein ähnlicher Schlag gegen die organisierte Kriminalität.

Auf einer gemeinsamen Pressekonferenz haben Europol und Eurojust am 02. Juli 2020 mitgeteilt, dass es ihnen gelungen sei, in das „EncroChat-Netzwerk“ einzudringen und über Monate hinweg verschlüsselte Nachrichten in Echtzeit mitzulesen. „EncroChat“, ein Anbieter, der den Nutzern speziell präparierte abhörsichere Mobiltelefone zur Verfügung stellt und eine verschlüsselte Kommunikation verspricht, wurde vorwiegend von Mitgliedern der organisierten Kriminalität genutzt, so Europol und Eurojust.

„EncroChat“ nutzte Server in Frankreich

Offiziell haben die französischen Strafverfolgungsbehörden seit dem 01. April 2020 sämtliche „EncroChat-Nachrichten“ mitverfolgt. Inoffiziell untersuchten die französischen Ermittlungsbehörden das Chatprogramm „EncroChat“ bereits seit den Jahren 2016/2017. Im Rahmen dieser Untersuchung fanden die Ermittler heraus, dass das Unternehmen „EncroChat“ Server in Frankreich, in der Stadt Lille, unterhält.

Das Abfangen und Mitlesen von „EncroChat-Nachrichten“ wurde laut Europol am 13. Juni 2020 von den französischen Behörden beendet. Europol teilte mit, dass die Betreiber von „EncroChat“ erst an diesem Tag eine Warnung an alle Benutzer geschickt und dazu geraten haben, die präparierten Telefone unverzüglich zu entsorgen.

Weltweite Zusammenarbeit der Ermittlungsbehörden im Zusammenhang mit „EncroChat“

Nach der Warnung durch die Betreiber von „EncroChat“ folgten weltweit zahlreiche Festnahmen und Durchsuchungen (u.a. auch in Großbritannien, Norwegen, Schweden, Frankreich und den Niederlanden). Durchsuchungsmaßnahmen und Festnahmen in Deutschland werden mit hoher Wahrscheinlichkeit folgen.

Bereits in Großbritannien wurden nach Behördenangaben 746 Menschen festgenommen. Weiterhin wurden rund 60 Millionen Euro und 77 Schusswaffen sichergestellt. Auch in den Niederlanden führten die Ermittlungen zu mehr als hundert Festnahmen. Insgesamt wurden über 8 Tonnen Kokain und 1,2 Tonnen Crystal Meth sowie andere Drogen sichergestellt. Es ist davon auszugehen, dass auch die deutschen Ermittlungsbehörden Informationen über Beschuldigte aus Deutschland erhalten werden, die im Rahmen der „EncroChats-Ermittlungen“ genannt wurden.

Verhalten nach der Verwendung von „EncroChat“

Sollte aufgrund der „EncroChat-Operation“ ein Ermittlungsverfahren gegen Sie eingeleitet werden, kontaktieren Sie unverzüglich einen Strafverteidiger. Dies gilt ganz besonders für den Fall, wenn Festnahme und oder Durchsuchungen erfolgen sollten. Zunächst gilt die Devise, dass keine voreiligen Angaben gegenüber den Ermittlungsbehörden gemacht werden sollten. Die Rechtsanwälte der Anwaltskanzlei Dr. Böttner Rechtsanwälte und Strafverteidiger beraten und verteidigen Sie in allen Bereichen des Strafrechts. Hierbei werden äußerste Diskretion und auch ein im Notfall europaweites Netzwerk an weiteren Experten bei der Verteidigung gewährleistet.